AIDA Kreuzfahrt Teil 2
WILLKOMMEN AUF DER AIDA
Diesen Willkommensspruch lasen wir auf der Bordzeitung unter einem großen „Hola!“, die wir in unserer Kabine vorfanden.
Der Weg dorthin war eigentlich, wenn man die Liftfahrt betrachtet, nicht anders, als in jedem guten Hotel. Wobei allerdings das Treppenhaus schon etwas Besonderes war. Alles blitzblank, flauschige, dicke Auslegware und insgesamt ein sehr freundlicher, maritimer Eindruck, der einen dort beschlich.
Die Kabine war wider Erwarten geräumig und nett eingerichtet. Also Toni – zum Schlafen, Duschen und Umziehen konnte man sich hier bequem aufhalten.
Die Bordzeitung, die übrigens täglich in die Kabine flattert ( nicht mit Eulen! ), informierte uns über die wichtigsten Leute der Crew, wie Kapitän, Schiffsarzt, Clubchef, Chefkoch, etc. und über die Öffnungszeiten der bordeigenen Geschäfte und und – dazu später mehr.
Unser Gepäck war noch nicht eingetroffen und so beschlich Püppi das bekannte Gefühl, welches man auch immer wieder am Gepäckband im Flughafen verspürt - unsere Koffer sind auf den Weg nach Australien – bis das ersehnte Klopfzeichen erklang und ein philippinischer Mitarbeiter alles herein brachte. Wir konnten wieder Aufatmen.
Das ist übrigens wohl auch der große Vorteil einer Kreuzfahrt. Man packt seine Sachen einmal aus und erst am Abreisetag wieder ein, obwohl man im Verlauf der Reise mehrere Länder besucht. Tolle Sache das. Nach dem üblichen Prozedere ging es flugs zur Schiffserkundung. Dabei wollten wir auch die Landausflüge buchen.
Überall wuselten noch die Crewmitglieder herum, die für das Gepäck zuständig waren. Wir orientierten uns am Lageplan, der auf jedem Stockwerk aushängt, damit man sich nicht verläuft. Am Buchungsschalter angekommen, mussten wir uns wohl oder übel in eine Menschenschlange eingliedern, die sich bereits vor den 4 Buchungstischen gebildet hatte. Ach – andere Leute machen auch Ausflüge. So bereiteten wir uns auf längeres Warten vor.
Mit den Händen in den Hosentaschen, leerem Blick nach oben, von einem Fuß auf den anderen pendelnd und ein fröhliches Lied auf den Lippen, hatte ich die Gelegenheit einem interessanten Dialog zuzuhören, der sich zwischen einem Mitreisenden und einem Stewart entwickelte: „ Wann gibt es denn was zu essen?“ wollte der Gast wissen.
„Oh,“ entgegnete der Uniformierte, „ von 7.00 bis 11.00 Uhr gibt es Frühstück, von 11.30-15.00 Uhr Mittagessen, von 15.30 – 17.00 Uhr Kaffee und Kuchen, von 18.30 ab dann Abendessen. Dazwischen können Sie noch Snacks bekommen.“
„ Schade – ich wollte eigentlich auch mal aufs Sonnendeck.“ War die erstaunliche Reaktion.
Endlich beim Scout ( so nennt man die Reiseführer/innen an Bord ) angekommen, konnten wir nun endlich die ersehnten Landausflüge buchen. Für jeden Ausflug gab es ein Ticket mit Reiseziel, Treffpunkt, Zeiten und Hinweisen, die ein Drucker im Sekundentakt ausspuckte.
Als wir alles beisammen hatten, traten wir den Rückzug auf unsere Kabine an, um uns für den Abend zu preparieren, galt es doch nach dem Essen für den Welcome-Clubchef-Drink mit anschließender Sail-Away-Poolparty anzutreten.
Frisch gestriegelt und gebügelt nutzten wir als erstes die Happy Hour in der Cocktail-Bar, wo man uns jedes Getränk für die Hälfte anbot. Essen und Trinken sind grundsätzlich im Preis enthalten, was jedoch nicht für die Schirmchendrinks gilt.
Nach einem wunderbaren Snowball spazierten wir zum Karibik-Restaurant. Das erschien uns im ersten Moment interessanter, als das Markt-Restaurant. Wieder etliche Wartende, da die Doppelflügeltür noch nicht geöffnet war. Dies erledigte der Chefkoch höchstpersönlich und man stürzte ins Getümmel. Nur nicht Letzter sein heißt da die Devise. Warum? Ich weiß es auch nicht. So sind die Menschen – es gibt keine Anderen.
Was soll ich sagen Toni – Da laufen einem schon mal die Augen über. Wunderbar arrangiertes und dekoriertes Essen vom Feinsten war hier aufgetragen worden. Wo sollte man da anfangen? Eines war beim ersten Blick auf die Fressvielfalt sofort klar: Hier kommt niemand ohne einige Kilo Übergewicht von Bord.
Zunächst peilten wir mal die Lage, wo sich für uns ein geeignetes Plätzchen zum Futterfassen anbot. Es gab Tische für zwei, vier, sechs und acht Personen. Um gleich ein Pläuschchen mit Gleichgesinnten zu führen, belegten wir zwei Plätze an einem Achtertisch und begaben uns auf die Suche nach den ersten Köstlichkeiten zur Vorspeise.
Püppi hatte sich, entgegen ihrer Gewohnheit, sehr schnell entschieden. Ich ließ erst alles in Ruhe auf mich einwirken und empfand mich als gequälter Wähler. Letztendlich hatte auch ich einiges auf meinen Teller bugsiert und steuerte unseren Tisch an. Anstatt ihr Essen zu genießen, befand sich Püppi bereits im Gespräch mit den ersten Tischnachbarn. Unschwer zu erkennen, dass die aus der Ecke von Stuttgart kamen, was sich auf meine Nachfrage sofort bestätigte.
Günther und Brigitte – so hießen die beiden netten Leute. Mitte sechzig, beide gut im Futter, fröhlich, lustig – einfach zum Knuddeln. Der Tischwein in weiß und rot war übrigens ausgezeichnet und das Besteck hing in der Tischmitte an Ständern, die permanent aufgefüllt wurden.
Wir ließen uns alles munden und machten im Laufe des Abends die Runde vom Hauptspeisenangebot zum Nachspeisenangebot und dann auch zum Nach-Nachspeisenangebot. Will heißen - Käse, Toni!
Käse aufgetürmt aus allen erdenklichen Sorten, von allen erdenklichen Tieren, die Milch geben. Sowas hatte ich in dieser Vielfalt nicht mal im KaDeWe in Berlin gesehen.
Und hier war es ja nur für den heutigen Abend aufgetischt. Es war schon Käse, daß man nicht jede Sorte probieren konnte. Da wollte man tausend Mägen haben.
Besonders angetan hatte es mir ein “Löffelkäse”, wie wir ihn nannten, weil man ihn mit dem Löffel aus der Schale befördern mußte. Halbflüssig und zäh, aber ungemein kernig, würzig und wohlschmeckend. Den Namen habe ich vergessen - ist auch besser so, denn er sollte mich später noch gehörig ärgern. Da war ich einfach zu gierig und habe die Verzehrmenge nicht mehr unter Kontrolle gehabt.
Mann, Toni - war aber auch lecker und dazu noch ein angenehmer Rotwein. Die Seereise hatte prima begonnen.
Zu Guter Letzt fanden wir auch genügend Zahnstocher, um uns von den Resten des ansprechenden Dinners stilvoll zu befreien.
Apropos: “Zahnstocher”
Spazieren zwei Zahnstocher durch die City. Plötzlich sehen sie auf der anderen Seite einen Igel. “Komisch,” meinte da der Eine - “Ich wußte gar nicht, daß die hier auch Busse haben.”
Nun wurde es aber Zeit für den Welcome-Drink auf dem Pooldeck, denn die Lautsprecheransage drängte zur Eile.
Auf dem Pooldeck angekommen, servierte man uns einen Sekt, obwohl wir bereits bester Stimmung waren. Man hieß uns seitens der Clubbetreuung willkommen und versprach uns alles Mögliche, was wohl auch irgendwann eingetroffen ist.
Es war an der Zeit, auszulaufen und den Hafen von Palma De Mallorca Richtung Sardinien zu verlassen, denn nach einem geplanten Seetag war dies unsere erste Destination.
Wir standen zu Viert an der Reling und bestaunten das Ablegemanöver, welches der Kapitän nur mit zwei kleinen Joysticks regelte.
Tja, Toni, was soll ich sagen - das könnte ich auch. Habe doch am Computer auch mit diesen Teilen operiert, bis mir der Fußschweiß auf der Stirn stand. Aber irgendwie hatte ich die Vermutung, der Kapitän läßt mich nicht ran und zu Püppis Beruhigung ließ ich von diesem Vorhaben ab. Hätte ich Sekunden danach sowieso automatisch, denn der Schreck fuhr uns allen dermaßen in die Glieder, daß man merkte, wie die Knie versagten und man den Eindruck hatte, daß einem die Ohren abfallen.
Unbewußt hatten wir uns wohl zu sehr an die Schiffshupe rangewagt, denn die ertönte jetzt zum Abschied mit einer Lautstärke, als stände man im Lautsprecher bei einem AC/DC-Konzert.
Wieder was gelernt. Da stehen wir beim nächsten Ablegemanöver mit Sicherheit nicht mehr - nur noch in angemessener Entfernung.
Als wir nach einigen Minuten die Hafenausfahrt passiert hatten, legte die Musik los und die Sail-away-Poolparty konnte starten.
Zur Freude der Damen wurde getanzt und mitten im Gewühl schlich immer ein Crewmitglied mit seiner Kamera umher, um alles aufzunehmen. Aha - dachte ich - daß kenne ich doch noch von Willi und lavierte Püppi während des Tanzens in diese Richtung.
Nicht, daß ich auch in dem Film mitspielen wollte. Neeeiiiin - ich doch nicht. Es ging mir dabei nur um Püppi. Hihi
Nach dem ganzen Stress des Tages - ich hasse Anreisetage - spürten wir langsam aber sicher ein wenig Müdigkeit hochkommen und verständigten uns mit unseren neuen Bekannten Günther und Brigitte noch einen Absacker in der Bar zu nehmen. Also noch einen Cocktail als Betthupferl und dann ab in die Falle.
Wir nahmen an einem der zahlreichen Tische Platz und ließen uns in die Polster gleiten. Alle orderten einen Caipirinha, nur ich mußte aus der Reihe fallen und hatte vor, mich mit einem Planter’s Punch zu vergnügen. Wenn schon - denn schon.
Nachdem die Getränke aufgetischt waren, nippte ich an meinem Drink und stellte enttäuscht fest, daß er zwar einige Rumsorten beeinhalten sollte, diese aber nicht zu schmecken waren. Also ließ ich die nette Kellnerin antanzen und beschwerte mich darüber, was normalerweise nicht meine Art ist - hatte halt unbemerkt einen Schwips im Nacken, anstatt des üblichen Schalkes. Das hätte ich besser nicht getan.
Was soll ich sagen, Toni - als der Drink erneut eintraf, traf mich der Schlag. Nun hatte ich das Gefühl, er bestand nur noch aus Rum. War mir in dem Moment aber egal, denn die Stimmung war auf dem Höhepunkt. Hihi - tsss
Im Überschwang des Augenblicks und natürlich auch ein bisschen animiert vom Cocktail nahm ich Püppi bei der Hand und führte sie elegant auf die Tanzfläche.
Im Nachhinein betrachtet muß das wohl ziemlich lustig ausgesehen haben, wie wir am nächsten Tag erfuhren. Naja - Schwamm drüber. Das wir beim Tanzen den Halt verloren und dann den Tanzboden gebohnert haben - daran kann ich mich bis heute nicht erinnern und ich glaube, man hat mir da einen gehörigen Bären aufgebunden.
Letztlich überzeugte mich Püppi davon, nun langsam aber sicher die Kabine aufzusuchen, um eine Mütze Schlaf zu nehmen. Willenlos ließ ich mich von ihr abschleppen und fand mich kurze Zeit später im Bett wieder.
Das ruhige Wiegen des Bettes von einer zur anderen Seite war mit Sicherheit dem stärkeren Seegang zu verdanken und brachte mich verhältnissmässig schnell in den Schlaf.
Mitten in der Nacht erwachte ich mit Magenbeschwerden und erheblichem Unwohlsein. Da war wohl einiges zuviel für mich gewesen. Somit verbrachte ich den Rest der Nacht auf der Toilette und sinnierte über die Seefahrt nach.
Am nächsten Morgen mußte ich leider auf das Frühstück verzichten und ließ mich erst spät von Püppi überreden, zumindest etwas zu trinken. Ein richtig netter philippinischer Kellner hatte von meinem erbärmlichen Zustand ziemlich schnell Kenntnis genommen und bot mir frischgepreßten Orangensaft an, den ich gerne dankend annahm.
Der Mann hieß Renato und wir hatten ihn sofort in unser Herz geschlossen. Man merkte ihm ehrliche Fürsorge an, was bestimmt nicht selbstverständlich ist und wir freuten uns hernach immer, wenn wir ihm auf folgenden Kreuzfahrten wieder begegneten.
Der Tag war deklariert als Seetag, was mir in meinem Zustand entgegen kam, da wir keinen Hafen anliefen und ich mich auf einen Landausflug schleppen mußte. Allerdings war die obligatorische Seenot-Rettungsübung angesagt, die in internationalen Gewässern auf jedem Passagierschiff absolute Pflicht ist.
Dazu ertönt ein Warnsignal über den Bordlautsprecher ( auch im Zimmer ) und man muß mit angelegter Rettungsweste an eine bestimmte Station sprinten, zu denen man von vielen Helferlein geletet wird.
Hast Du schon mal eine dieser Rettungswesten angelegt, Toni? Das erinnert mich immer an den Song von Mike Krüger. Du weißt - der mit dem Nippel durch die Lasche ziehen.
Nun - mit ein wenig Nachhilfe von Püppi konnte ich einigermaßen stilgerecht ausgerüstet dieses notwendige Übel durchstehen, war aber froh, danach wieder im Zimmer zu sein, um dieses unförmige ärgerliche Teil abzulegen.
Nun hieß es - Poolparty.
Sonne, Bier und gute Laune bis zum Abwinken - nur für mich nicht. Leider konnte ich nicht. Toilettenbesuch.
Günther und Brigitte bedauerten mich natürlich, nahmen aber Püppi unter ihre Fittiche, damit das Mädchen wenigstens ihr Vergnügen hatte. Recht so. War ja selber Schuld.
Der Rest des Tages ist mir nicht mehr so in Erinnerung. Am Abend versuchte ich, etwas zu essen, was mir nur mäßig gelang. Die darauffolgende Nacht war einfach nur miserabel und ich hatte große Bedenken, ob ich am nächsten Tag überhaupt am Landausflug teilnehmen konnte, der uns nach Sardinien an die Costa Smeralda führen sollte.
LANDAUSFLUG AUF SARDINIEN - COSTA SMERALDA
Nach dem netten Reisebericht von Dubai habe ich mich eigentlich nur wegen der amüsanten Schreibweise auf diese Seite verirrt. Auch uns als Vielreisende 4 x im Jahr )haben wir auch die selber Meinung wie Sie es am Anfang geschrieben haben. Alles ganz steif Abendkleid und Smoking u.s.w. ist nichts für unseren Urlaub, aber nach diesen 2 Seiten bin ich schon ein wenig am Überlegen……….
Freue mich schon auf die nächsten Seiten
Kommentar von Gertrude — November 24, 2007 @ 3:15 pm